Bye, Bye Mülheim

[aj] Die Mülheimer Bürger sind am heutigen 06.10.2019 aufgerufen, um über die VHS an der Bergstraße zu entscheiden. Stimmen Sie mit JA soll die VHS in der Müga als VHS erhalten bleiben, was die Stadtverwaltung zwingt Brandschutzmaßnahmen durchzuführen, aufgrund dessen die VHS geschlossen worden war. Folge davon ist, dass der Interims-Standort an der Aktienstraße wieder geschlossen wird. Über die Kosten dieser Aktion besteht nach wie vor Unklarheit. 2 Mio, 30 Mio oder doch viel weniger? Klar scheint nur, dass bei einem JA die Stadt Mülheim diverse andere Projekte nicht mehr ausführen wird, weil sie wohl nicht kann. Schwimmbäder, Schulen, Sportbund und und und hätten dann das Nachsehen, frei nach dem Motto: Jeder Euro kann nur einmal ausgegeben werden.
Klingt logisch, aber…eigentlich ist das Vertrauen in die Entscheidungsträger in Mülheim dermaßen zerstört, so dass es fast logisch sein müsste, dass die Bürger mit JA entscheiden. Ein paar Beispiele:
Der Ruhrtunnel – der uns seinerzeit als unvermeidbar angepriesen wurde, würde nach dem Willen der Entscheider heute am liebsten sofort zugeschüttet.
Die Straßenbahn – sollte am besten sofort abgeschafft werden, da Busse günstiger seien und es dem Bürger nur um einen Transport von A nach B ginge. Dass die Argumentation durchaus umstritten ist und die Straßenbahn durchaus mehr Vorteile für den Fahrgast bringt, wird nicht in Betracht gezogen.
Das Pflaster – ein neues Pflaster auf der Schlossstraße würde die Attrakivität der Innenstadt steigern, wurde mal gesagt. Wurde dann auch gemacht, die stetigen Leerstände konnte dies auch nicht verhindern.
Die Schullandheime – eins auf Sylt, eins in Hohenunkel. Alles unwirtschaftlich, muss abgestoßen werden, dann geht es der Stadt besser. Ah ja. Klassenfahrten kann man auch nach Ratingen oder Haltern machen.
Das Stadtbad – im Zuge von Ruhrbania musste auch das Stadtbad (ein kleines Schwimmbad in der Innenstadt) weg – da sind jetzt Eigentumswohnungen.
Die Jugendherberge – auch so ein Kleinod. Natürlich unwirtschaftlich, also weg – jetzt Mietwohnungen…aber das Postkartenmotiv blieb erhalten. Danke.
Die Stadtbücherei – musste Ruhrbania-Bauten weichen, obwohl das Gebäude noch intakt war, dafür haben wir jetzt ein „lukratives“ PPP-Modell.
Auf der Internetseite der Mülheimer Bürger Initiativen finden sich noch viele weitere Beispiele…Kaufhof, Feuerwache, Stadthafen usw.
Die Krone des Ganzen ist aber – insbesondere angesichts des sich gerade wandelnden Klima-Bewußtseins – die Stilllegung der Straßenbahn 110 von der Friesenstraße in Styrum zum Flughafen. Trotz diversen Hinweisen der Bezirksregierung wurde die Linie, mehr oder weniger, bei Nacht und Nebel eingestellt. Betriebsmängel, Sicherheit und natürlich die Unwirtschaftlichkeit der Straßenbahn an sich. Spannend wird es dann, wenn der Flughafen vielleicht dochmal dicht macht, man dort ‚Wohnen und Arbeiten‘ anbietet und dann irgendjemand auf die Idee kommen wird, Mensch, ne Straßenbahn zur Innenstadt wäre ja toll. Wird dann schwierig, da soll ja jetzt ein Radweg entstehen…Am anderen Ende aber – und das ist das eigentliche Highlight – wurde die Wendeschleife an der Friesenstraße für eine wunderbare Tankstelle geopfert. Besser kann man die Weitsicht der Mülheimer Entscheider wohl nicht darstellen.
So…und wie soll man als Bürger angesichts dieser ‚erfolgreichen‘ und ‚zukunftsorientierten‘ Maßnahmen den Argumenten von Stadtverwaltung und Politik noch irgendwie Glauben schenken. Es scheint, dass einzig und allein die Auflösung der kommunalen Selbstverwaltung in Mülheim an der Ruhr einen Ausweg bieten kann. Eingemeindung nach Essen, Oberhausen, Duisburg und/oder Ratingen. Sämtliche Führungsgremien könnten somit aufgelöst und ersatzlos gestrichen werden. Dies ersparte uns Führungsgehälter und auch sonstige Dramen um (Ex-)Stadtkämmerer, Oberbürgermeister und sonstige interstädtische Querelen (Flughafen, Ruhrbahn etc.)
Und wenn jetzt die Stadt nach einem JA zur VHS alle Schwimmbäder schließt, die Schulsanierungen stoppt, Sport und Kultur das Wasser abgräbt, finden sich hoffentlich neue Bürgerinitiativen oder aber der Regierungspräsident (oder wer auch immer) verfügt die vg. Eingemeindung.

Also ich stimme mit JA!

MfG Andreas Johren

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radioruhr.de

Radio Ruhr e.V. ist ein gemeinnütziger Verein zur Förderung des Lokalfunks in Mülheim an der Ruhr und Oberhausen.